Weltweite Evangelisation

Ghana: Gottesdienst unter freiem Himmel.

Ghana: Gottesdienst unter freiem Himmel.

In über 40 Ländern werden Christen verfolgt und bedroht. In insgesamt 100 Ländern ist die Religionsfreiheit eingeschränkt. In vielen weiteren Ländern ist die Kirche zu arm, um ihrer seelsorglichen Aufgabe ohne Hilfe nachzukommen.

Die Pater-Werenfried-van-Straaten-Stiftung und KIRCHE IN NOT helfen den Ortskirchen weltweit bei ihrer seelsorglichen Arbeit, auch den Pfarreien im Westen, zum Beispiel durch religiöse Literatur oder das Beichtmobil. Wir sind überall, wo die Kirche uns braucht. Der Wahlspruch „… damit der Glaube lebt!” soll dies verdeutlichen.

Die Mission (= Sendung) der Kirche gehört als Fortsetzung der Sendung Christi zu den Grundaufgaben der Kirche. Im Missionsdekret des Zweiten Vatikanischen Konzils heißt es: Die pilgernde Kirche ist ihrem Wesen nach „missionarisch” (d. h. als Gesandte unterwegs), da sie selbst ihren Ursprung aus der Sendung des Sohnes und der Sendung des Heiligen Geistes herleitet, gemäß dem Plan Gottes des Vaters (Ad Gentes 2).

In der Sendung der Kirche setzt sich die Sendung Christi fort. Als solche ist sie in besonderer Weise den Bischöfen anvertraut. Der Grund der missionarischen Tätigkeit der Kirche liegt im universalen Heilswillen Gottes, der will, „dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen” (1 Tim 2,4). Nun gibt es aber kein anderes Heil, als das durch Christus erwirkte. Von daher weiß sich die Kirche von Anfang an gerufen, dieses Heil zu verkünden.

Auch wenn alle Menschen, die ihrem Gewissen folgen und ohne eigenes Verschulden nicht mit der christlichen Botschaft in Kontakt gekommen sind, zum Heil finden können, hebt das die Notwendigkeit der je neuen Verkündigung der Frohen Botschaft nicht auf.

Papst Johannes Paul II. rief immer wieder zur Evangelisierung auf, zum Beispiel in seinem Apostolischen Schreiben „Novo Millennio ineunte”, das zum Abschluss des Jubiläums 2000 veröffentlicht wurde.

Mission/Evangelisierung ist nur glaubhaft, wenn sie mit entsprechender Praxis verbunden ist, wie Einsatz für die Menschenwürde, für Befreiung, Gerechtigkeit, Solidarität. Die Förderung der ganzheitlichen Entwicklung des Menschen ist wesentlicher Bestandteil der Evangelisierung selber ist. Ansonsten bliebe der Glaube fruchtlose Vertröstung auf ein besseres Jenseits und würde auch dem Auftrag Christi nicht gerecht, der eben kein „abstraktes” Heil verkündet hat.

Bei der missionarischen Tätigkeit sind zwei Dimensionen zu unterscheiden:

1. Mission als Erst-Evangelisierung: die Mission/Evangelisierung jener, die noch nicht von Christus gehört haben und als Konsequenz die Errichtung neuer Ortskirchen.

2. die sog. Neu-Evangelisierung, also die Wiederbelebung und Stärkung des Glaubens bei jenen, die schon anfanghaft mit der christlichen Botschaft in Berührung gekommen sind – Neubelebung bereits bestehender Ortskirchen. Papst Paul VI. sprach von der „Selbstevangelisierung der Getauften” (EN 15).

Teilnehmende eines Kurses für Ordensleute in Uganda.

Teilnehmende eines Kurses für Ordensleute in Uganda.

Für die missionarische Tätigkeit sind in erster Linie die Bischöfe verantwortlich, die die einzelnen Teilkirchen leiten. Unter ihrer Führung sind alle Christen eingeladen, an ihr mitzuwirken, denn „die ganze Kirche ist missionarisch und das Werk der Evangelisierung eine Grundpflicht des Gottesvolkes” (Ad Gentes 35).

Es gibt weltweit Regionen, in die die Botschaft des Evangeliums noch nicht vorgedrungen ist. Dazu gehören viele Gebiete Afrikas. Vielfach ist die Kirche  – außer in Nordafrika und Äthiopien – nicht viel älter als 100 Jahre. Auch heute noch gibt es Ländern, in denen es immer noch viele ausländische Missionare gibt, vor allem aus Lateinamerika und Indien, weil die Zahl der einheimischen Priester längst nicht ausreicht.

In anderen Ländern, wie zum Beispiel in Nigeria, gibt es erfreulicherweise so zahlreiche Berufungen, dass Missionare in andere afrikanische Länder ausgesandt werden können.

Eine große Herausforderung für die Kirche ist der hohe Anteil an Analphabeten in der Bevölkerung. Oft ist die von unserem Hilfswerk herausgegebene Kinderbibel das erste Buch, das die Menschen in Händen halten und mit dem sie lesen lernen. In manchen Sprachen gehört unsere Kinderbibel zu den ganz wenigen Schriftstücken, die in gedruckter Form existieren. Das Bibelapostolat ist ein wichtiger Teil der Evangelisierung.

Bei einem AIDS-Präventionskurs in Simbabwe.

Bei einem Aids-Präventionskurs in Simbabwe.

Die zweite große Herausforderung, vor der der Kontinent steht, ist die zunehmende Ausbreitung von Aids. Im Rahmen der Evangelisierung kommt den kirchlichen Workshops zur Aids-Aufklärung eine besondere Bedeutung zu. Hier werden christliche Werte vermittelt. Die Menschen lernen zum Beispiel, dass nur eine im Einklang mit der menschlichen Würde gestaltete Sexualität die Ausbreitung von Aids hindern kann. In Uganda gibt es dank der kirchlichen Aids-Programme erste Änderungen im Verhalten der Bevölkerung.

Die zunehmende Ausbreitung des Islam schränkt die Missionstätigkeit der Kirche in manchen Ländern ein. So gibt es in Norden Togos und Benins nur auf dem Land die Möglichkeit zur Evangelisierung, weil sich in den Städten der Islam etabliert hat. Die animistische Landbevölkerung ist dagegen für den christlichen Glauben empfänglich.

Asien ist vor allem durch die Präsenz des Hinduismus und Buddhismus geprägt. Erste Kontakte mit der christlichen Botschaft gab es bereits früh – man denke nur an die Thomas-Christen in Indien oder an die erste Missionierung Chinas im 7. Jahrhundert, auch in der Mongolei reichen die Anfänge des Christentums weit ins erste Jahrtausend zurück.

Dennoch bilden in den meisten Ländern Asiens die Christen – mit wenigen Ausnahmen, wie Osttimor und die Philippinen – eine Minderheit. Vor allem der Nordosten Indiens (besonders der Nordosten), Indonesien und Papua-Neuguinea zählen zu den Erst-Evangelisierungsgebieten. Hier ist es vor allem die animistisch geprägte Bevölkerung ethnischer Minderheiten, die sich der Kirche zuwenden.

Frau aus Papua-Neuguinea mit der Kinderbibel von KIRCHE IN NOT.

Frau aus Papua-Neuguinea mit der Kinderbibel von KIRCHE IN NOT.

Aber auch wenn die Kirche nur eine Minderheit der Bevölkerung repräsentiert, ist sie dank ihres Beitrags im pädagogischen und sozialen Bereich hoch angesehen.

Gerade die katholischen Schulen haben einen so guten Ruf, dass auch viele Nichtchristen ihre Kinder dorthin schicken. Gerade die anerkannten sozialen Aktivitäten spielen eine wichtige Rolle im Dialog mit dem Islam und dem Hinduismus.

Seit dem 11. September 2001 wird die Lage der Kirche in islamisch geprägten Ländern aber immer schwieriger, weil das Christentum von religiösen Fanatikern und vielen mangelhaft Gebildeten mit Amerikanismus und westlicher Kultur gleichgesetzt wird.

In Lateinamerika ist das Christentum seit fünf Jahrhunderten präsent, aber Säkularisierung, Armut und die aggressive Ausbreitung von Sekten stellen die Kirche heute vor große Herausforderungen. Dort versuchen wir verstärkte Katechese, Bibel- und Medienapostolat.

Auf der anderen Seite ist die Kirche Lateinamerikas durchaus missionarisch geprägt: Viele lateinamerikanische Missionare wirken heute vor allem in Afrika.

Neben der Erst-Evangelisierung unterstützt unsere Stiftung die Neu-Evangelisierung. Darunter fallen vor allem Projekte in ehemals kommunistisch beherrschten Ländern Ost- und Mitteleuropas. Nach der politischen Wende stand hier die Reorganisation und der Wiederaufbau kirchlicher Strukturen im Vordergrund, zusammen mit einer verstärkten Pastoral und Katechese.