Pater Werenfried van Straaten

Pater Werenfried van Straaten, 1998.

Pater Werenfried van Straaten, 1998.

Die Stiftung trägt den Namen des Gründers des Hilfswerks KIRCHE IN NOT, Pater Werenfried van Straaten.

Er wurde bekannt unter dem Spitznamen „Speckpater”.

1947 löste Pater Werenfried van Straaten eine riesige Hilfsaktion aus, die in die Gründung des Hilfswerkes „Ostpriesterhilfe” mündete.

Aus dieser Organisation entstand das weltweit tätige Werk KIRCHE IN NOT, das heute jährlich zirka 105 Millionen Euro Hilfsgelder an die Kirche in über 140 Länder verteilt (Quelle: Jahresbericht 2014).

Werenfried van Straaten wurde am 17. Januar 1913 in Mijdrecht bei Amsterdam (Niederlande) geboren. Sein eigentlicher Vorname ist Philipp. Sein Vater wollte, dass er Lehrer wird. So begann er 1932 an der Universität von Utrecht Altphilologie zu studieren. 1934 trat er in die flämische Prämonstratenserabtei Tongerlo (Belgien) ein.

Nach einer Tuberkulose-Erkrankung stellte ein Arzt fest, dass der junge Ordensbruder den täglichen Anforderungen des Seelsorgedienstes, der Heidenmission oder des Predigens nicht mehr gewachsen sei. Daher überlegte man in der Abtei, ob man ihn nicht aus dem Orden entlassen solle. Doch trotz der Diagnose durfte Werenfried van Straaten im Kloster bleiben und wurde zum Sekretär des Abtes. In dieser Funktion war er verantwortlich für die Redaktion der klostereigenen Zeitschrift „Toren” (Turm).

Bereits kurz nach dem Zweiten Weltkrieg sammelte Pater Werenfried in Belgien und Niederlande für die aus dem Osten vertriebenen Deutsche.

Bereits kurz nach dem Zweiten Weltkrieg sammelte Pater Werenfried in Belgien und Niederlande für die aus dem Osten vertriebenen Deutsche.

1947 hatte das Elend der in Baracken und Bunkern untergebrachten Heimatvertriebenen und Flüchtlinge aus dem Deutschen Osten Pater Werenfried zutiefst berührt und aufgerüttelt. In der Weihnachtsausgabe der Zeitschrift seiner Abtei schrieb er einen Artikel mit dem Titel „Frieden auf Erden? – Kein Platz in der Herberge”. Der 34-Jährige bat darin um Hilfe für die 14 Millionen aus dem Osten vertriebenen Deutschen, von denen sechs Millionen Katholiken waren.

Es erschreckte ihn nicht, dass er in Belgien zunächst auf heftige Ablehnung stieß. Hatten doch gerade die Menschen besonders schwer unter der deutschen Besatzung gelitten. Sein apostolisches Feuer erreichte jedoch, dass seine Zuhörer nicht mehr „die Deutschen” sahen, sondern den leidenden Mitmenschen in Not und Elend, hinter dem sich Christus selbst verbirgt. Die ausgelöste Hilfswelle der Flamen begründete das Hilfswerk „Ostpriesterhilfe”.

Er wurde als „Speckpater” berühmt

Das erste, was Pater Werenfried von den belgischen Bauern erbettelte, war Speck, da er damit zumindest den größten Hunger der Vertriebenen lindern konnte. Außerdem hatte er schnell erkannt, dass Bauern eher Lebensmittel als Geld im Hause hatten und auch bereit waren, davon etwas abzugeben. Es wurde soviel Speck gesammelt, dass Pater Werenfried bald seinen Spitznamen „Speckpater” erhielt.

Seit 1948 arbeitete Pater Werenfried mit Prälat Kindermann, dem Leiter des „Vaterhauses für die Vertriebenen” und des Priesterseminars in Königstein im Taunus in der Nähe von Frankfurt am Main. Von Königstein aus betrieb der Pater die Motorisierung der vielen “Rucksackpriester”, die in der Vertriebenenseelsorge tätig waren.

Die Aktion „Ein Fahrzeug für Gott” brachte nicht nur 400 Volkswagen für die Rucksackpriester, sondern auch 35 Kapellenwagen, jene 16 Meter langen fahrenden Kirchen, mit denen je ein ausländischer und ein deutscher Missionar den vereinsamten Gläubigen der Diaspora das Wort Gottes, die Sakramente und den Trost der Weltkirche vermittelte. Seit 1950 konnten von Königstein aus die ersten Kapellenwagen zu den versprengt lebenden vertriebenen Katholiken in die Diaspora fahren.

Zu seinen vielfältigen und immensen Aufgaben lud sich Pater Werenfried ab 1952 auch die Hilfsaktion für die verfolgte Kirche hinter dem Eisernen Vorhang auf. Im gleichen Jahr beginnt Pater Werenfried seine ersten Predigtaktionen mit einer Reise durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Im folgenden Jahr gründet der umtriebige Geistliche den „Internationalen Bauorden”. In diesem Orden versammelten sich junge Leute, die Häuser für Arme und Kirchen für Gott bauten.

Glänzender Organisator und mitreißender Prediger

Es war 1958. Auf einer Betteltour in Bonn lud Bundeskanzler Konrad Adenauer Pater Werenfried zu sich ein. Bei der Begegnung erklärte der „Speckpater” auch die Funktion seines berühmten Millionenhutes. Adenauer war amüsiert, spendete aber nichts. Pater Werenfried reagierte rasch und schrieb an den Kanzler: „Alle, die unser Bild in der Zeitung sehen, fragen mich: Was hat der Alte gegeben? – Was soll ich antworten?” Gleich am nächsten Morgen sandte Adenauer einen Scheck über 3.000 DM – eine der typischen Aktionen Pater Werenfrieds.

Zu diesem Zeitpunkt arbeitete die „Ostpriesterhilfe” bereits seit sechs Jahren in Deutschland und Österreich. Aus dem kränkelnden Priesteramtskandidaten von 1934 war ein glänzender Organisator, ein mitreißender Prediger und ein weithin bekannter Volksmissionar geworden. Er hielt bis zu 90 Predigten in einem Monat und erkannte das Betteln als sein eigentliches Charisma. Mit seinem durchlöcherten und inzwischen schon legendären „Millionenhut” stand er nach der heiligen Messe an Kirchentüren oder nach Vorträgen an den Ausgängen der Säle und sammelt für sein Werk.

Weltweit wurde Pater Werenfried mit Begeisterung und Dankbarkeit empfangen.

Weltweit wurde Pater Werenfried mit Begeisterung und Dankbarkeit empfangen, wie zum Beispiel in Vietnam 1965.

Erstmals 1953 erschien die von ihm geschriebene und herausgegebene Zweimonatsschrift „Echo der Liebe”, die heute in sieben Sprachen veröffentlicht und in einer Auflage von rund 700 000 Exemplaren gedruckt und vertrieben wird.

1956 reiste Pater Werenfried während des ungarischen Aufstands nach Budapest und trifft dort den aus dem Gefängnis entlassenen Kardinal Mindszenty. Die Hilfe für Ungarn läuft an. 1959 bereiset Pater Werenfried die Flüchtlingsgebiete in Asien und trifft Mutter Teresa im „Haus der Sterbenden” in Kalkutta. 1960 erschien ein erstes Buch von Pater Werenfried: „Sie nennen mich Speckpater”.

Gründer der Schwesterngemeinschaft „Töchter der Auferstehung”

Im Jahre 1962 nahm Pater Werenfried als Berater am Zweiten Vatikanischen Konzil in Rom teil. Er traf dort sechzig Bischöfe aus Ländern hinter dem Eisernen Vorhang, die das Hilfswerk bereits direkt oder indirekt unterstützen.

Während des Simba-Aufstands 1965 bereiste Pater Werenfried den Kongo/Zaire (heute Demokratische Republik Kongo), wo er im darauf folgenden Jahr zusammen mit einer belgischen Ordensschwester, Mutter Hadewych, die Schwesterngemeinschaft „Töchter der Auferstehung” gründete, die auch ungebildeten Afrikanerinnen den Zugang zu einem Orden ermöglichen sollten.

Von Papst Paul VI. 1964 zum „Generalmoderator” des Werkes ernannt, trat Werenfried van Straaten 1981 im Alter von 68 Jahren als solcher zurück. Er schrieb aber weiterhin sein „Echo der Liebe”, predigte und blieb als kirchlicher Assistent und Gründer des Werkes mit besonderen Mitbestimmungsrechten auf Lebenszeit ausgestattet. 1981 erhielt Pater Werenfried das große Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. Auch Niederlande und Österreich ehrten ihn mit hohen Auszeichnungen.

Kapellenschiff “Pater Werenfried” auf der Wolga.

Kapellenschiff “Pater Werenfried” auf der Wolga.

Nach dem Zusammenbruch der kommunistischen Regime im Osten Europas ergaben sich für Pater Werenfried neue Dimensionen seiner Versöhnungsaufgabe. Für ihn begann ein neuer Abschnitt in der Beziehung zwischen der westlichen lateinischen Kirche und der östlichen orthodoxen Schwesterkirche.

So rief er schon 1992 zur Versöhnung der gespaltenen Christenheit auf, und forderte von den Katholiken Hilfe für die orthodoxe Schwesterkirche. So wie er nach dem Krieg zur Liebe zu den „Feinden von gestern” aufgerufen hatte, so predigte er jetzt die Bemühung um die Überwindung der seit 1054 bestehenden Kirchenspaltung zwischen Ost und West.

Am 17. Januar 2003 feierte Pater Werenfried mit über siebenhundert Gästen aus aller Welt seinen 90. Geburtstag mit einer von Bischof Franz Kamphaus zelebrierten Messe im Limburger Dom. Am 31. Januar 2003 starb Pater Werenfried in seinem Wohnort Bad Soden (Ts.).